Die Seishin-Ryu steht in der Tradition der Koryu (der alten Stile) graduiert deren Mitglieder nach dem klassischen Menkyo System. Das moderne System wurde nach einer mehrjährigen Probephase wieder abgeschafft!

Von ryū zu ryū variierten zwar die Anzahl und die Bezeichnungen für die Lizenzen, gleichwohl bezogen sie sich alle auf den Grad der Einweihung (den) des Schülers in die jeweilige Kampfkunst.

Die Entscheidung, wann und unter welchen Voraussetzungen ein Schüler eine Lizenz erhielt, oblag der Einschätzung des soke beziehungsweise des von ihm eingesetzten Hauptlehrers (shihan) und war vom Schüler nur insofern zu beeinflussen, als dass er sich seinem Lehrer gegenüber stets loyal verhielt und lernbereit zeigte.

So war es keine Seltenheit, dass Novizen lange Zeit geprüft wurden, bevor sie überhaupt Unterricht erhielten, und dass Jahre des Trainings vergingen, bevor sie die erste Lizenz erhielten, die ihnen lediglich bescheinigte, als Schüler angenommen worden zu sein.

Die Methoden, technische Fertigkeiten, geistige Fähigkeiten und Verhaltensqualitäten als Voraussetzung für eine Lizenzierung zu überprüfen, waren dabei von Meister zu Meister unterschiedlich und wurden von diesen auch individuell für den jeweiligen Schüler ausgewählt.

Ein transparentes Prüfungsprogramm, wie es heute in vielen modernen Kampfkünsten existiert, gab es nicht.

In einigen wenigen der gegenwärtig noch praktizierten alten Stile (koryū) wird das Menkyo-System nach wie vor unverändert verwendet.


Kirigami 

- sinngemäß: „Anwartschaft“, wörtlich: „geschnittenes Papier“ (abgeleitet von dem Papierstreifen, auf dem das Zertifikat geschrieben wurde)

 Shomokuroku 

- „erstes Zertifikat“

 Shoden 

- „erste Einweihung in die Tradition“ - Meisterschüler in der Formausbildung

 Chūden 

- „mittlere Einweihung in die Tradition“ - Meisterschüler in der intensivierten Formausbildung

 Okuden 

- „Einweihung in die innere Tradition“ -  Weitergabe (den) des hinter der Form Versteckten (oku), Synonym zu hiden (Weitergabe des Geheimen), Bezeichnung für die Übermittlung der hintergründigen Inhalte in einer Meisterlehre.

 Kaiden 

- „vollständige Einweihung in die Tradition“ - Initiierung zum Sensei, Einweihung in die Tradition

 Menkyo kaiden 

- „offizielle Lizenz über die vollständige Einweihung“


Überlieferung der Traditionen

Die japanischen Künste (gei) waren immer Meisterlehren (oshi), die in direkter Weise vom Lehrer (sensei) auf den Schüler (deshi) übrtragen wurden. Eine solche Lehre bestand aus einem vordergründigen Aspekt (omote) und der eigentlichen hintergründigen Lehre (ura):

Innen und Außen

Omote  

„Außen“, „Oberfläche“, die „offensichtliche Seite einer Angelegenheit“, Gegenteil von ura. Das Vordergründige (omote), wird zum Hintergründigen (ura) wenn man es zu durchdringen und auszudrücken vermag. Jede Kunst besteht aus offensichtlichen Formen (omote) die den inneren Kern (ura) des Künstlers ausdrücken.

Ura  

„Innen“, „Kern“, „Wesen“, Gegenteil von omote. Alle Menschen sehen, doch sie sehen nicht dasselbe. Das omote einer Kunst ist das, was ein Betrachter mit seinem rationalen Erkenntnisvermögen erfassen kann. Ura verbirgt sich unter der Oberfläche und kann nur auf dem Weg (dō) in einer Lehrer-Schüler Beziehung erfahren werden.


Arten der Überlieferung

Zur Übertragung der Lehre gebraucht man den Begriff den (Überlieferung, Weitergabe). Er bezeichnet die Übermittlung japanischer Meisterlehren (oshi), Traditionen (dentō) und Künsten (gei). Ihre Überlieferung fand mündlich (denshō) oder schriftlich (densho) statt:

Denshō 伝承

„mündliche Überlieferung“ (den - übermitteln, überliefern; shō - zuhören oder etwas bekommen), aus einer traditionellen Meisterlehre.

Densho 伝書 

„geschriebene Überlieferung“ (den - übermitteln, überliefern; sho - Buch, Schriftstück geschriebener Text). Der Begriff bezeichnet ein vom Lehrer (sensei) überliefertes Schriftdokument, in der Form einer Schriftrolle (makimono), oder einer Urkunde (gaku), in dem er die Genehmigung zur Weiterführung seiner hintergründigen Systeminhalte (gokuhi) überträgt und bestätigt.